Die 9 häufigsten Fragen zur Hydroponik

Lesedauer: 9 min

Hier lernst du...

  • welches Hydroponiksystem die besten Erträge bringt
  • ob Du besser LED oder NDL verwenden solltest
  • und vieles mehr über automatisierte Bewässerungssysteme

Du spielst mit dem Gedanken, Deinen heimischen Indoor-Garten um ein Hydroponik-System zu erweitern? Tu es! Richtig eingesetzt können automatisierte Bewässerungsanlagen Deine Pflanzen in ungeahnte Höhen steigen und Deine Ernte explodieren lassen. Bevor Du gleich loslegst, möchten wir Dir allerdings noch 9 wichtige Dinge mitgeben, nach denen wir zum Thema Hydroponik immer wieder gefragt werden.

Viel Spaß beim Gärtnern (und beim Lesen) wünscht dir dein Grow Guru Team :).

Die Antworten von den Fachmännern persönlich - im Video

Die Fragen

1. Wie kannst Du Deine Bewässerung automatisieren?

Der Klassiker unter den Fragen, durch den viele Grower überhaupt erst mit dem Thema Hydroponik in Kontakt kommen. Eine günstige Möglichkeit für Einsteiger ist beispielsweise eine Blumat-Tröpfchenbewässerung. Diese hat allerdings den Nachteil, dass sie Dein Substrat nur an einer Stelle befeuchtet und die Nährlösung so ungleichmäßig verteilen. Ein Autopot-System, bei dem Deine Pflanzen regelmäßig von unten bewässert werden, erfüllt den Zweck schon besser! Welche Hydroponik-Variante noch in Frage kommen erfährst Du in unserer umfangreichen Hydroponik-Playlist auf unserem YouTube-Kanal.

2. Welche Technik eignet sich für den Start am besten ?

Das ist sehr abhängig von dem, was Du eigentlich erreichen möchtest. Für die ersten Berührungen mit dem Thema automatische Bewässerungs-Systeme sind neben den oben erwähnten Autopots auch größere Tröpfchenbewässerungs-Anlagen gut geeignet.  Diese können Dein Medium (oftmals Tonkugeln) rundherum bewässern und werden von vielen Growern für die Aufzucht von Mutterpflanzen verwendet.

Mit Aeroponischen Systemen, bei denen die Wurzeln Deiner Pflanzen von unten mit einem Nährstoffnebel angesprüht werden, tauchst Du schon tiefer in die Materie ein - kannst dafür jedoch auch größere Erträge erwarten. Diese Anlagen eignen sich unter anderem auch besonders gut für eine schnelle Anzucht von Stecklingen.  

Die Creme de la Creme in der Hydroponik (daher auch entsprechend teuer in der Anschaffung) bilden sogenannte DWC-Anlagen oder die Ebbe-und-Flut-Systeme. Diese sind im Grunde nicht viel anspruchsvoller in der Handhabung als die vorher genannten Techniken, können Einsteiger aber allein aufgrund ihrer Größe bisweilen vor eine ordentliche Herausforderung stellen. 

3. Was ist EC und pH und worauf musst Du achten?

Der pH-Wert zeigt Dir, wie sauer oder basisch Deine Nährlösung ist, also ob sie sich eher wie eine Säure oder eine Base verhält. Für Dich spielt das durchaus eine Rolle, da Deine Pflanzen nur in einem bestimmten pH-Bereich in der Lage sind, Nährstoffe aufzunehmen. Um Mangelerscheinungen zu vermeiden, solltest Du also auf einen korrekten pH-Wert achten. Wo genau dieser liegt unterscheidet von Pflanze zu Pflanze - wir empfehlen Dir aber, immer zwischen 6,0 und 7,0 zu bleiben. 

Der EC-Wert beschreibt die elektrische Leitfähigkeit Deiner Lösung (EC= electric conductivity) und gibt Dir dadurch Rückschlüsse auf deren Salzgehalt (welcher wiederum durch den Düngeranteil bestimmt wird). Auch dieser Wert ist für Bewässerungssysteme sehr wichtig. Leider unterscheidet sich der optimale EC-Wert auch hier von Pflanze zu Pflanze sehr stark, sodass Du dich am besten selbst über die idealen Bedingungen für Deine grünen Lieblinge informierst. Eine Übersicht findest Du unter anderem hier.

Ein Düngecomputer überwacht pH- und EC-Wert

Ein Düngecomputer überwacht pH- und EC-Wert und passt die Zugabe von Nährstoffen an die Messergebnisse an, bevor  die Lösung den Pflanzen zugeführt wird. Diese Systeme werden vor allem im Profibereich verwendet.

4. Welches Hydroponik-System bringt Dir den meisten Ertrag?

Wir bekommen bezüglich Hydroponik vermutlich keine andere Frage so oft gestellt wie diese. Dennoch fällt uns die Antwort darauf schwer. Grundsätzlich gilt, dass Du potentiell mit Ebbe-und-Flut-, NFT- und DWC-Systemen sehr gute und beeindruckende Ernten erzielen kannst. Bei richtiger Anwendung und einem entsprechenden Aufwand bilden diese Anlagen die optimalen Bedingungen für Deine Pflanzen, und regen sie so zu erstaunlichem Wachstum an.

Aber: das beste System ist das, mit dem Du Dich am wohlsten fühlst, bei dem Du die Abläufe und Handgriffe kennst, und dessen Potenzial Du voll ausnutzen kannst. Die teuerste DWC-Anlage bringt Dir keinen Erfolg, wenn die Anwendung Dir einfach nicht liegt.

Wenn Du Dir nicht sicher bist, welches System wirklich für Dich geeignet ist, sprich uns einfach an. Zusammen finden wir die Bewässerung, die Deine Pflanzen in die Höhe sprießen lassen.

5. Ist ein Hydroponik-Anbau schwieriger als der mit Erde?

Ja, definitiv. Erde hat als Medium eine gewisse Pufferwirkung und federt so den ein oder anderen Fehler ab, beispielsweise beim pH-Wert. Gerade für Einsteiger, die noch keine Routine entwickeln konnten, ist dieser Puffer ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Grows. 

Bewässerungssysteme haben diesen Vorteil nicht. Wenn der pH- oder der EC-Wert nicht im optimalen Bereich sein sollte, werden Deine Pflanzen das direkt zu spüren bekommen und dementsprechend darauf reagieren. Zudem ist Deine Bewässerung (je nach Technik) komplett fremdgesteuert. Hier könnten sich ebenfalls Fehler einschleichen, die schnell behoben werden müssen. Genau diese Notwendigkeit zu einer schnellen aber dennoch überlegten Reaktion macht es unserer Meinung nach erforderlich, eine gewisse Erfahrung im Hobby gesammelt zu haben. 

Natürlich lassen sich die geübten Abläufe und das Verständnis für den Mechanismus zwischen Pflanze und System mit der Zeit antrainieren - und das eigentlich auch recht leicht. Unsere Empfehlung: bevor Du mit Hydroponik anbauen möchtest, solltest Du ein- zweimal Erde verwenden und die Handgriffe verinnerlichen. 

Übrigens: hast Du diesen Schritt gemeistert und Deine Hydroponik-Anlagen im Griff, geht der Aufwand und die Schwierigkeit nach Aussagen vieler erfahrener Heimgärtner spürbar zurück. Also bleib dran, es lohnt sich!

Kräftige Stecklinge und gesunde Wurzeln

Erfahre in unserem Ausrüstungs-Guide mehr darüber, welches Equipment Dir zu einem gelungenen Start verhilft.

6. Welches Leuchtmittel ist besser geeignet - LED oder NDL?

Das kommt auf die Bedingungen an, die Du Zuhause gegeben hast. Das Zauberwort lautet hier Wassertemperatur. Diese sollte idealerweise zwischen 20 und 23 °C liegen. Im Gegensatz zu den klassischen Natrium-Dampf-Leuchtmitteln ist die Abwärmer bei LEDs äußert gering. Hast Du also ein warmes Klima in deinem Grow-Raum, dann sind Leuchtdioden das Mittel der Wahl, um eine kritische Überhitzung der Nährlösung zu vermeiden (denk daran, dass ggf. auch die Pumpen Wärme erzeugen können). Stehen Deine Pflanzen jedoch in einem Keller und Du hast eher Sorge, dass sie es ein bisschen zu kalt haben könnten, dann entscheide Dich für NDL. 

Beide Leuchtmittel haben also ihre Daseinsberechtigung. Du musst nur darauf achten, dass die Wassertemperatur durch den Einsatz der Lampen nicht negativ beeinflusst wird.

7. Nimmst Du besser Samen oder Stecklinge?

Die Antwort ist hier ziemlich eindeutig - Stecklinge! Ein Grund dafür ist wieder die fehlende Pufferwirkung bei automatisierten Systemen. Aber der Reihe nach:

Samen können zwar von der selben Pflanze kommen, haben aber dennoch eine unterschiedliche Genetik. Sie legen nicht das selbe Wachstumsverhalten an den Tag oder reagieren anders auf Veränderungen. Diese Eigenschaften fallen bei Erde als Anbaumedium nicht zu sehr ins Gewicht, da diese durch ihren Puffereffekt die Unterschiede bis zu einem gewissen Grad ausgleicht. 

Wie schon erwähnt ist das bei der Hydroponik nicht der Fall. Schwankt zum Beispiel der pH-Wert zu stark ist es für Dich sehr schwer, diese Änderung auszugleichen, wenn Deine Pflanzen verschieden darauf reagieren. Du müsstest Dich für einen Kompromiss entscheiden, der möglicherweise den Zweck verfehlt. 

Stecklinge sind genetische Klone ein und derselben Mutterpflanze und legen daher ein extrem ähnliches Verhalten an den Tag. Deine Arbeit wird so also erheblich vereinfacht. Wie Du Stecklinge gewinnst, das verraten wir Dir in dieser Anleitung.

Viele Bewässerungssysteme, wie beispielsweise das Amazon-System oder der X-Stream von Nutriculture sind für den Einsatz von Samen daher gar nicht erst geeignet.

Ein Steckling in einem Netztopf

Ein Steckling wird in einem Netztopf zu einer ordentlichen Pflanze heranzgezüchtet.

8. Kannst Du bei Bewässerungssystemen Bio-Dünger verwenden?

Grundsätzlich nein. Die organischen Bestandteile der Bio-Dünger werden nach 24 bis 48 Stunden im Wasser leider schlecht und sind nicht mehr für Deine Pflanzen geeignet. Zudem können die Nährstoffe flocken und Teile des Systems verstopfen.

Nun gibt es für "grundsätzliche" Begebenheiten immer eine Ausnahme. Es existieren durchaus Tricks, mit denen Du biologische Dünger in Kombination mit Hydroponik verwenden kannst. Allerdings sind diese sehr schwer umzusetzen und werden von uns nur erwähnt und nicht beschrieben. 

Terra Aquatica, ehemals GHE (General Hydropnics Europe), bietet Bio-Dünge für Hydro-Systeme an. Die Handhabung setzt jedoch eine gewisse Erfahrung voraus. Zudem kannst du sogenannte Biofilter einsetzen, auf denen sich Mikroorganismen ansiedeln und deine Lösung mit Nährstoffen versorgen - auch diese Vorgehensweise ist schwer, aber mit dem richtigen Know-How sicher lohnenswert.

9. Wie befestigst Du die Pflanzen?

Ein wahres Luxusproblem: Deine Pflanzen wachsen zu schnell, werden strukturell instabil und drohen, abzuknicken. Tatsächlich wirst Du Dich früher oder später dieser Entwicklung gegenüber sehen, wenn Du Dir ein Hydro-System zulegst. Wie schaffst Du also am besten Abhilfe?

Stehen Deine Gewächse in einem Zelt ist ein einfaches Pflanzennetz (wie Du sie hier findest) das Mittel Deiner Wahl. 

Hast Du Deine Pflanzen allerdings frei im Raum platziert, musst Du kreativ sein. Möglichkeiten hast Du zur genüge. Im Baumarkt gibt es viele stabile Rankhilfen oder Käfig-Konstruktionen, die Du schnell und einfach installieren kannst. Auch selbtgebastelte Schienen, die von der Decke herabhängen, haben sich bei uns bewährt. Von Pflanzen-Jojos raten wir allerdings eher ab, da die Handhabung hier ein bisschen frickelig ist und uns, schlicht gesagt, genervt hat. 

Sollte Dir nichts einfallen, schreib uns einfach oder ruf uns an - wir helfen Dir gerne!

Die 3 besten Hydroponik-Systeme für Einsteiger

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