Schnitt-Techniken: Runterbinden, Topping, Fimming und Mehr

Lesedauer: 3 min

Hier Lernst du...

  • Gängige Schnitt-Techniken für Deine Pflanzen
  • Den Unterschied zwischen Low- und High-Stress-Training
  • Welche Ausrüstung die richtige ist

Die Pflege Deiner Pflanzen beschränkt sich nicht nur auf das Schaffen einer angenehmen Umgebung. Hin und wieder an der richtigen Stelle einen Schnitt zu setzen kann Wunder wirken und ist definitiv eine Überlegung wert. Mit den passenden Techniken kannst Du nicht nur Form, sondern vor allem auch die Größe Deiner Pflanzen maßgeblich beeinflussen. Von welchen Methoden wir sprechen und wir Du diese anwendest, das erfährst Du weiter unten im Text.

Viel Spaß beim Gärtnern (und beim Lesen) wünscht dir dein Grow Guru Team :).

Low-Stress und High-Stress: die wichtigsten Unterschiede

Wie eingangs bereits erwähnt lohnt es sich, wenn Du Deine Pflanzen mit ein bisschen Zeit und Mühe nach Deinem Willen formst. Eine solche Behandlung ist jedoch immer mit Stress verbunden, da die betroffene Pflanze zunächst Energie investieren muss, um die jeweilige Änderung zu kompensieren. Je nachdem, welche Technik Du anwendest, kann das Stresslevel höher oder niedriger sein. Genau daraus ergibt sich die Unterscheidung zwischen Low- und High-Stress-Training.

Low-Stress

Der Name verrät es bereits: die Techniken in dieser Kategorie sind ein bisschen schonender und setzen Deine Pflanzen nicht allzu sehr unter Druck. Das Ziel ist es, die Wuchsstruktur von der Vertikalen eher in die Breite umzulagern und so buschige, volle Zweige zu erzeugen. Erreichen lässt sich das unter anderem durch das Herunterbinden von Trieben oder dem Einsatz von Netzen. Auf diese Weise entsteht kein klarer Spitzentrieb und die anderen Zweige treten in einen kleinen Wettkampf, während dem sie ihr vollen Potential entfalten möchten.

High-Stress

High-Stress-Methoden stellen unter Umständen eine große Belastung da und sollten daher mit Bedacht umgesetzt werden. Sie sind eher invasiver Natur und beinhalten beispielsweise Topping oder Supercropping - es geht also um das (richtige) Beschneiden Deiner Pflanzen. Die Effekte, die sich mit der Anwendung derartiger Techniken erzielen lassen, sind recht unterschiedlich und werden von uns daher ein wenig später erläutert.

Eine Sache möchten wir an dieser Stelle jedoch noch erwähnen: grundsätzlich kostet die Pflanze jegliche Form von Stress Kraft. Allerdings sind die meisten Sorten und Arten robuster, als Du möglicherweise denkst. Um Dein Gewächs durch die hier beschriebenen Methoden wirklich eingehen zu lassen, muss schon eine ganze Menge schiefgehen. Bei zu großem Stress kann es allerdings sein, dass eine Pflanze ihr Geschlecht wechselt, was je nachdem, was Du anziehst, problematisch sein kann. Im Großen und Ganzen brauchst Du aber keine Angst zu haben, irreparablen Schaden anzurichten; schnapp Dir eine Schnur oder eine Schere und leg los! 

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Die Techniken leicht erklärt

Auch zu diesem Thema haben wir vor einiger Zeit bereits ein Video aufgenommen, in dem wir die verschiedenen Methoden erklären und vorführen. Wenn Du es dir anschauen möchtest, klicke einfach auf Play:

Runterbinden

Eine sehr schonende Technik, weil Deine Pflanze nicht beschädigt wird. Einzelne Triebe werden hierbei mit Bast, einer weichen Baumwoll-Kordel oder notfalls auch mit Pflanzendraht heruntergebunden. Der Trieb sollte nicht verletzte werden!

In der Folge bilden sich an jeder Internode (das sind die Stellen, an denen die Blätter aus den Trieben wachsen) neue Triebe, die nach oben wachsen.

Vorteil und Nutzen: Du erzielst ein sehr gedrungenes Wachstum, vor allem in der Breite anstatt in die Höhe. Diese Methode kommt vor allem beim SCROG zum Einsatz.

Knicken

Durch das Abknicken eines Triebes wird das obere Ende des Zweiges weniger gut versorgt. Du gaukelst Deiner Pflanze vor, dass sie den betroffenen Trieb verloren hat, weswegen sie sie mehr Kraft (in Form von Nährstoffen und Wasser) in die davor liegenden Seitentriebe investiert. Nach einiger Zeit, wenn die Knickstelle nicht komplett beschädigt wurde, wird der Haupttrieb weiterwachsen und die Knickstelle selbst verholzen.

Vorteil und Nutzen: Du kannst damit ein sehr "spezielles" Pflanzenbild erzeugen. Die Technik ist unter anderem bei Fensterbank-Grows sinnvoll, wenn die Pflanze nicht über das obere Ende des Fensters hinauswachsen soll.

Supercropping

Knicken in invasiv: bei dieser Methode brichst Du einen Teil des Stiels und zerreist die Zellwände von Innen. Das klingt zunächst sicher abschreckend, hat aber seine Daseinsberechtigung: 

Die Pflanze setzt Wachstumshormone frei um die beschädigte Stelle so schnell wie möglich wieder zu heilen. So wird sie im Endeffekt vitaler und bildet, ähnlich wie beim Knicken, eine verholzte Stelle im Ast aus, welche wiederum die Stabilität der Triebe steigert. Insgesamt sorgst Du also dafür, dass Deine Pflanze auch höhere Gewichte aushalten und damit größere Früchte problemlos tragen kann.

Vorteil und Nutzen: Gerade junge Pflanzen können so zu kräftigen, widerstandsfähigen und ertragreichen Exemplaren herangezogen werden. Allerdings benötigen sie eine Zeit, um sich von der Rabiaten Behandlung zu erholen. 

Topping

Beim Topping beschneidest Du den Spitzentrieb (also den größten Trieb) Deiner Pflanze. Diese reagiert darauf, indem sie an der vor der Schnittstelle liegenden Internodie einfach zwei neue Kopftriebe entwickelt.  Du kannst diese Technik auch mehrmals bei der selben Pflanze anwenden und den Effekt so noch verstärken. Topping ist sehr weit verbreitet und wird von vielen Heimgärtnern regelmäßig angewendet.

Vorteil und Nutzen: Anstatt einem Haupttrieb entwickelt deine Pflanze mehrere Kopftriebe, welche (wie beim Supercropping) im Wettbewerb zueinander stehen. Die Folge ist ein gesteigerter Ertrag.

Fimming

Hierbei handelt es sich um eine Variante von Topping. Die Bezeichnung dieser Methode kommt von FIM, was für "Fuck, I missed" ("Scheiße, ich hab verfehlt") steht. Dieser eigensinnige Name hat seine Wurzeln darin, dass Du die Triebe Deiner Pflanzen lediglich anschneidest anstatt die zu durchtrennen (und zwar zu ca. 80 % des Zweig-Durchmessers). Du entfernst Deinen Spitzentrieb also nicht, sondern beschödigst diesen lediglich. 

Vorteil und Nutzen: Wenn Dir das Fimming gelingt erhältst Du mit Hilfe dieser Methode nicht nur zwei, sondern drei Kopftriebe.

Lollipopping

Lollipopping ist das Negativ von Topping. Das bedeutet, dass Du mindestens die zwei oder drei untersten Seitentriebe (gelegentlich auch mehr) von deiner Pflanze komplett entfernst. Die ganze Energie (wie zuvor auch sind damit Wasser und Nährstoffe gemeint) wird in Folge dessen zu den oberen Trieben geleitet, wodurch diese sich kräftiger entwickeln. 

Vorteil und Nutzen:  Lollipopping eignet sich hervorragend für SOG-Projekte, da so viele kleine Pflanzen mit großen Spitzentrieben erzeugt werden können

Was Du für die Schnitt-Techniken benötigst

Gute Neuigkeiten: für die Anwendung der von uns hier beschriebenen Methoden benötigst Du fast nichts (Du hast es Dir sicher schon gedacht). Eine scharfe Schere oder ein Skalpell,  Einweghandschuhe und gegebenenfalls ein Netz für breitgefächertes Knicken - mehr ist nicht von Nöten.

Sogar noch bessere Neuigkeiten: all das findest Du natürlich bei uns im Shop.

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