Zu diesem Thema hatten wir am 04.08.2017 eine Live-Fragestunde auf Facebook.
In dem Video führen wir alle Schritte vor, die auf dieser Seite beschrieben sind.
Das Video findest Du hier und auf unserem YouTube-Kanal.

Low Stress Training und High Stress Training: wieso überhaupt "Training"?

Abstrakt formuliert: es gibt mehrere Techniken, mit denen das Pflanzenwachstum beeinflusst und an die Rahmenbedingungen des jeweiligen Grow Projekts optimiert werden kann.

Vereinfacht gesagt: mit den hier beschriebenen Techniken kann man mehr Ertrag erzielen oder Kosten sparen, z.B. Kosten für Samen oder Stromkosten.

Es macht also Sinn, sich mit dem Runterbinden und Schnitt-Techniken zu beschäftigen.

Wichtig: jede Genetik reagiert anders auf die hier beschriebenen Techniken. Informiere Dich am besten bei Deinem Breeder (oder an anderen Stellen im Internet), bevor Du Samen kaufst, welche Techniken Deine Pflanzen mögen oder nicht mögen.

Was ist Stress für die Pflanze und welche Folgen kann Stress haben?

Meistens wird unterschieden zwischen High Stress Training und Low Stress Training. Damit ist einfach gemeint, dass es Techniken gibt, die eine große Belastung für die Pflanze darstellen (z.B. durch Beschneiden) und andere, die weniger belastend sind (z.B. runterbinden).

Jegliche Form von Stress kostet die Pflanze Kraft. Die meisten Sorten stecken wirklich viel weg. Die Pflanzen gehen also nicht ein. Bzw. man muss schon sehr viel falsch machen, um eine Pflanze dazu zu bringen, einzugehen. Allerdings kann es passieren, dass eine Pflanze ihr Geschlecht verändert, wenn der Stress-Level zu hoch wird.

Runterbinden

Eine sehr schonende Technik, weil die Pflanze nicht beschädigt wird. Einzelne Triebe werden mit Bast, einer weichen Baumwoll-Kordel oder notfalls auch Pflanzendraht runtergebunden, dabei soll der Trieb nicht verletzt werden.

In Folge bilden sich an jeder Internodie (das sind die Stellen, an denen die Blätter aus den Trieben wachsen) neue Triebe, die nach oben wachsen.

Vorteil und Nutzen: man erzielt ein sehr gedrungenes Wachstum. Die Pflanze wächst in die Breite anstatt in die Höhe. Kommt v.a. beim SCROG zum Einsatz.

Knicken

Durch das Abknicken eines Triebes wird das obere Ende des Triebes weniger gut versorgt. Folglich fließt die Kraft (=Nährstoffe und Wasser) in die davor liegenden Seitentriebe. Der Haupttrieb wird, wenn die Knickstelle beim Knicken nicht komplett beschädigt wurde, weiterwachsen und die Knickstelle wird verholzen.

Vorteil und Nutzen: man kann ein sehr "spezielles" Pflanzenbild erzeugen. Kommt z.B. bei Fensterbank-Grows zum Einsatz, weil die Pflanze nicht über das obere Ende des Fensters herauswachsen soll.

Topping

Durch das Abschneiden des Kopftriebes entwickelt die Pflanze an der davor liegenden Internodie 2 neue Kopftriebe.

Kann mehrmals pro Pflanze gemacht werden.

Topping wird sehr häufig angewendet. Viele Grower toppen jede Pflanze.

Vorteil und Nutzen: mehrere anstatt ein Kopftrieb können den Ertrag steigern und das Risiko für Schimmel-Befall kann sinken. 

Fimming

Fimming ist eine Spielart von Topping. Mit einem geschickten "an-trennen" anstatt durchtrennen des Triebes (ca. zu 80%).

Vorteil und Nutzen: wenn das Fimming gelingt, kann man 3 anstatt 2 neue Kopftriebe erhalten.

Lollipopping

Beim Lollipopping werden die 2-3 untersten Seitentriebe (gegelentlich auch mehr) komplett entfernt, sodass das gesamte Wachstum in wenige Kopftriebe gesteckt wird. Lollipopping kommt beim SOG zum Einsatz.