Pflanzenvermehrung: Erzeuge Deine eigenen Klone

Lesedauer: 5 min

Hier lernst du...

  • Was es mit Pflanzen-Klonen auf sich hat
  • Wie Du Stecklinge von Deiner Mutterpflanze schneidest
  • und sie erfolgreich einsetzt

Wenn Deine Mutterpflanze sich prächtig entwickelt und bereits die ersten aussichtsreichen Triebe gebildet hat, ist der nächste Schritt nicht mehr weit: das Erzeugen potenter Klone. Wie Du das anstellst wollen wir Dir mit dieser Anleitung näher bringen. Schritt für Schritt führen wir Dich an Dein Ziel - vielversprechende Stecklinge.

Viel Spaß beim Gärtnern (und beim Lesen) wünscht Dir Dein Grow Guru Team :).

Klone erzeugen: was bedeutet das und für wen macht es Sinn?

Beim Erzeugen von Klonen schneidest Du Triebe aus Deiner Mutterpflanze heraus und bringst sie zum Anwurzeln. Diese sind exakte genetische Kopien der Mutter und haben daher das selbe Entwicklungspotenzial.

Die Praxis des Klonens ist im Growing-Bereich sehr weit verbreitet. Für Dich macht Klonen vor allem Sinn, wenn Du...

  • ...Deine Pflanzen per SOG- (Sea of Grass) oder ScrOG (Screen of Green)-Technik hochziehen möchtest. Da die Klone die selbe Genetik aufweisen, werden sie ein nahezu identisches Wachstumsverhalten an den tag legen.
  • ...mittels verschiedener Experimente Deine Rahmenbedingungen optimieren möchtest. Als Beispiel: Du verwendest zweimal die selbe Growbox, die gleichen Pflanzen und den selben Dünger entscheidest Dich aber für zwei verschiedene Leuchtmittel. Mit Hilfe der Klone kannst Du also wirkungsvolle A-B-Tests durchführen. Es gibt viele Faktoren, die auf diese Weise optimiert werden können: die Beleuchtung, die Nährstoffzufuhr, Anbautechniken, der Erntezeitpunkt, etc.
  • ...die Kosten für Samen einsparen möchtest.
  • ...die mit der Aussaat verbundene Unsicherheit vermeiden willst - gerade in Bezug auf Keimungsraten und eventuell unterschiedlichen Entwicklungen der Pflanzen haben Klone einen echten Vorteil.

Wenn Du permanent Triebe von deiner Mutterpflanze gewinnst kannst Du auf diese Weise einen nahtlosen Übergang zwischen den einzelnen Ernte-Durchläufen schaffen. Mit zunehmender Erfahrung lässt sich somit die Auslastung einer Growbox über Monate im Voraus auf den Tag genau planen.

Falls Du noch nicht wissen solltest, was eine Mutterpflanze überhaupt ist und wie Du Dich um sie kümmerst, dann schau am besten einfach hier vorbei.

Zwar mag das Klonen bei Deinem ersten Heimgärtner-Projekt noch keine Anwendung finden - dennoch macht es Sinn, sich damit zu beschäftigen. Zudem ist es viel leichter, als Du vielleicht denkst :).

Die Vorgehensweise - Schritt für Schritt

Unsere Anleitung als Video

Schritt 1: Arbeitsplatz und Werkzeuge

Eine kleine Anmerkung vorneweg: in unserem Beispiel erstellen wir Klone von Pfefferminze, einem Basilikum und einer Tomate; die Vorgehensweise ist jedoch bei jeder Pflanzensorte immer identisch.

Bevor wir loslegen sollten wir als erstes unseren Arbeitsplatz und unsere Werkzeuge vorbereiten. Neben Sauberkeit und ein bisschen Platz brauchen wir:

  • unsere Mutterpflanze(n)
  • ein Gewächshaus für Stecklinge
  • einen Pikierstab oder einen vergleichbaren Ersatz
  • ein Skalpell (oder eine sehr scharfe Schere)
  • Quelltöpfe, in die die Klone eingesetzt werden können (zum Beispiel aus Kokos)
  • ein Glas mit sauberem Wasser
  • Desinfektions-Mittel, beispielsweise ein Spray
  • Wurzel-Gel um die Anwurzelrate der Stecklinge zu erhöhen

Sauberkeit ist wirklich wichtig! Wenn Keime oder Bakterien in die Schnittstellen eindringen, schwächt oder schädigt das später die Klone oder verhindert sogar das Anwurzeln an sich. Du benötigst natürlich kein keimfreies Labor, solltest aber wenn möglich sterile Handschuhe benutzen und alle Werkzeuge sowie Deine Hände desinfizieren.

Schritt 2: Die Quelltöpfe vorbereiten

Aufgequollene Quelltöpfe aus Kokos

Quelltöpfe bieten Deinen Stecklingen eine erste Möglichkeit, Wurzeln zu bilden und festen Halt zu finden. Durch ihre (im Idealfall neutrale) Zusammensetzung bilden sie zudem eine schonende Umgebung, die Die jungen Pflanzen nicht überfordert.

Um die frisch geschnittenen Triebe in die Töpfe einsetzen zu können, musst Du diese vorher kurz vorbereiten.

  1. Lass die Quelltöpfe nach Anleitung Aufquellen. In der Regel geschieht das sehr schnell und nimmt nur ein paar Minuten in Anspruch.
  2. Im Anschluss daran setzt Du die Töpfe in das Gewächshaus. Nochmal: bitte vergiss nicht, Werkzeuge, Hände und das Häuschen vor dem Gebrauch zu desinfizieren.
  3. Hast Du die Töpfchen platziert formst Du mit Hilfe des Pikierstabs eine kleine Mulde, etwa bis zur halben Höhe des Quelltopfes. In diese Mulde setzen wir gleich den Klon ein, der hier hoffentlich anwurzeln wird.

Schritt 3: Triebspitzen von der Mutter abtrennen

Du hast Deine Mutterpflanze ausgewählt und alle nötigen Schritte vorbereitet. Jetzt geht's ans Eingemachte: Du entscheidest Dich, welche Triebe Du abtrennen möchtest. Halte hierzu Ausschau nach Triebspitzen, die 2 bis 3 Internodien (Blattpaare) aufweisen und ungefähr der Größe entsprechen, die Dir vorschwebt (optimal sind zwischen 10 und 15 cm).

  1. Trenne die Triebe mit dem Skalpell ab und stelle sie unverzüglich in ein Glas mit Wasser. Dieser Arbeitsschritt sollte sehr zügig ablaufen!
  2. Wähle die Schnittstelle mit etwas Abstand zur untersten Internodie; wir empfehlen Dir hier 4 bis 5 cm.
  3. Nach dem Abtrennen des Triebs wird Deine Mutterpflanze sich an der letzten Internodie des Mutterzweigs verzweigen, wodurch Du in einigen Wochen erneut Klone an dieser Stelle gewinnen kannst.

Wichtig: Dein Skalpell muss scharf und keimfrei sein. Grundsätzlich raten wir Dir von der Verwendung einer Schere ab, da diese die Triebe zerdrücken kann. Möchtest Du dennoch eine benutzen, so sollte auch diese so scharf wie möglich sein.

Schritt 4: Triebspitzen in Wurzelgel eintauchen

Abgeschnittener Trieb mit Druckstelle

Du hast nun einige Triebe abgeschnitten und sie im Wasser den ersten Schock überwinden lassen. Allzu gemütlich dürfen sie es sich allerdings nicht machen, denn nun folgt gleich der nächste Arbeitsschritt: Du tunkst die Triebe (mit der Schnittseite nach unten - just saying) in Deine Wurzellösung.

  1. Zunächst holst Du den Trieb, an dem Du jetzt arbeiten möchtest, wieder aus dem Wasser.
  2. Anschließend setzt Du einen zweiten Schnitt an, ca. 1 cm oberhalb der letzten Schnittstelle. Grundsätzlich ist dieser Schritt zwar nicht notwendig, wir führen ihn dennoch grundsätzlich immer aus. Es kann sein, dass beim Abtrennen der Triebe Druckstellen am Stiel entstehen, welche dem Anwurzeln nicht zuträglich sind (eine solche Stelle kannst Du auf dem obigen Bild sehen). Daher ist es immer gut, derartige Verletzungen zu entfernen und einfach zweimal zu schneiden. 
  3. Jetzt kannst Du den Trieb mit der Unterseite voran in das Wurzelgel tauchen. Du kannst ihn ruhig auch eine Minute stehen lassen, vor allem wenn Dein Gel sehr flüssig ist - bei gelartigen Lösungen reicht ein kurzes Eintauchen schon aus. 

Schritt 5: Triebe in Quelltöpfe einsetzen

Nach der Behandlung mit dem Wurzel-Gel ist es nun an der zeit, die Triebe in die vorbereiteten Quelltöpfe einzusetzen. 

  1. Platziere den Trieb hierzu vorsichtig im Topf und drücke das Medium mit den Fingern leicht an, sodass die Pflanze fest und aufrecht stehen kann.
  2. Wiederhole diesen Schritt mit allen Trieben und setze die Quelltöpfe in das Gewächshaus.
  3. Nun ist es wichtig auf das Klima zu achten - optimal sind 20 bis 24 °C und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 75 und 80 %.
  4. Auch die Beleuchtung spielt ab jetzt eine Rolle. Grundsätzlich kannst Du natürlich auch einfach Tageslicht nutzen. Eine höhere Erfolgsquote erzielst Du allerdings mit künstlichem Licht und einem Beleuchtungszyklus von 18 Stunden Licht gefolgt von einer 6-stündigen Dunkelphase. 
  5. Kleiner Tipp: Beschrifte Deine Klone mit Datum und Urpsrung um den Überblick nicht zu verlieren.

An dieser Stelle bist Du fertig - herzlichen Glückwunsch! Wenn alles reibungslos geklappt hat und Du Dich regelmäßig um Deine frischen Stecklinge kümmerst, steht einer tollen Entwicklung nichts mehr im Weg.

Übrigens: anstelle von Quelltöpfen und dem anschließenden Eintopfen in Erde kannst Du Dich auch für die Aufzucht mit Hydroponik-Systemen entscheiden. Hierzu platzierst Du die Triebe in Netztöpfen und lässt sie durch ein automatisches Bewässerungssystem kontinuierlich mit Nährlösung versorgen. Der Vorteil liegt hier in einer starken Wurzelbildung, die sich letzten Endes spürbar auf den Ertrag auswirkt. 

Hierfür haben wir ein eigenes Set zusammengestellt dessen Funktionsweise Du Dir über folgenden Link anschauen kannst:

Kräftige Wurzeln und gesunde Pflanzen

Die andere Art, Stecklinge aufzuziehen - das "X-Stream 20" Aeroponik-Set

Die richtige Ausrüstung

Wie Du Klone erzeugst hast Du nun gelernt, nun musst Du für sie sorgen um eine gesunde Entwicklung sicher zu stellen. Je besser Du ausgestattet bist, umso beeindruckender werden Deine Ergebnisse. Wir möchten Dir hierfür das richtige Werkzeug zur Hand geben und empfehlen Dir daher folgende Komplett-Pakete aus unserem Sortiment:

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