Aussaat und Anzucht von Stecklingen - eine Anleitung

Lesedauer: 6 min

Hier lernst du...

  • wie Du Deine Samen zum Keimen bringst
  • sie zu gesunden Stecklingen heranziehst
  • und sie richtig eintopfst

Bei der Aussaat und Anzucht von Pflanzen stehen Growing-Einsteiger vor ihrer ersten Herausforderung. Um Dir dennoch einen sorglosen Start zu ermöglichen, haben wir diese Anleitung für Dich verfasst.

Viel Spaß beim Gärtnern (und beim Lesen) wünscht dir dein Grow Guru Team :).

Unseren Artikel gibt's auch als Video

Woche 1: Die Aussaat ("Vorkeimen")

Wir haben uns an dieser Stelle dazu entschieden, die Samen zwischen zwei feuchten Tüchern vorkeimen zu lassen. Es gibt auch andere Methoden, diese ist jedoch sehr zuverlässig und einfach. Wenn Du unsicher bist, dann empfehlen wir Dir auf jeden Fall diese Methode.

Bei richtiger Anwendung und frischen Samen von guter Qualität kann das Vorkeimen sehr schnell gehen ("schnell bedeutet in diesem Kontext wenige Tage). Wenn Deine Samen schon etwas älter sind, kann dieser Schritt allerdings durchaus mal 2 bis 3 Wochen dauern.

Du benötigst folgende Utensilien:

  • Deine Samen
  • Haushaltstücher ("Küchen-Krepp")
  • 2 kleine, flache Teller (falls Du verschiedene Sorten ziehen möchtest, empfiehlt es sich, diese jetzt zu trennen und von Anfang an zu beschriften)

Die Vorgehensweise:

  1. Eine gut mit Wasser befeuchtete Schicht Haushaltstücher auf den Teller legen
  2. Die Samen vorsichtig darauf verteilen
  3. Eine weitere Schicht Haushaltstücher befeuchten und die Samen damit abdecken.
  4. Überschüssiges Wasser abtropfen lassen.
  5. Mit dem zweiten Teller bedecken, sodass die Feuchtigkeit gehalten wird (Deine Samen brauchen zum Keimen kein Licht).

Am schnellsten keimen Deine Samen bei ca. 21-23 ° Celsius. Du solltest sie keinem direkten Licht aussetzen und sie dürfen niemals austrocknen. Halte die Küchtentücher immer feucht, aber nicht nass. Die Samen dürfen nicht im Wasser "schwimmen". Es kann je nach Qualität der Samen ca zwei bis zehn Tage dauern bis der Samen gekeimt ist.

Das Keimen - und auch alle anderen nachfolgenden Schritte - können je nach Pflanzensorte und Umgebung etwas länger oder kürzer dauern. Das ist normal! Wenn Deine Samen nach 2-3 Wochen allerdings noch nicht gekeimt sind, dann sind sie wohl vertrocknet.

Woche 2: Das Einpflanzen der Keimlinge

Wie erwähnt keimen frische Samen in der Regel sofort, sodass Du nach wenigen Tagen bereits ein kleines Stück Wurzel aus dem Samen herausragen sehen solltest.

Wenn die ersten Millimeter der Wurzel aus dem Samen ragen solltest Du sie bald in Quelltöpfe einpflanzen. Wartest Du zu lange mit diesem Schritt werden die Wurzeln sich mit dem Küchenpapier verbinden, was die spätere Handhabung stark erschwert.

Was sind Quelltöpfe?

Quelltöpfe sind kleine Würfel oder Scheiben, meist aus Kokosfasern oder Steinwolle. Sie bieten Deinen Keimlingen die optimalen Bedingungen, denn sie speichern sehr gut Feuchtigkeit und sind ansonsten neutral - sie erhalten also keine Nährstoffe. Diese brauchen Deine Pflanzen erst im nächsten Schritt.

Für optimale Wachstumsbedingungen brauchst Du ein Zimmergewächshaus. Dadurch kannst Du sowohl die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit steuern und Deinen Keimlingen den Start in ihr Leben erheblich erleichtern. 

Keimlinge sind sehr empfindlich und sollten vorsichtig (!) mit einer Pinzette oder sterilen Handschuhen angefasst werden. Achte darauf, die Wurzel nicht zu beschädigen oder zu verdrücken. Packe die Keimlinge vorsichtig an der Samen-Schale. Nie an der Wurzel ziehen, sie reißt leicht ab.

Du benötigst folgende Utensilien:

  • Quelltöpfe
  • Pikierstab
  • Zimmergewächshaus
  • Hygrometer
  • Beleuchtung

Die Vorgehensweise:

  1. Die Quelltöpfe nach Anleitung quellen lassen und überschüssiges Wasser vorsichtig ausdrücken.
  2. Die Quelltöpfe in das Zimmergewächshaus setzen.
  3. Mit dem Pikierstab die bereits im Quelltopf vorhandene Vertiefung erweitern (auf ca 2 bis 6 mm).
  4. Die Samen vorsichtig in die Vertiefung setzen und mit etwas Substrat bedecken.
  5. Das Zimmergewächshaus schließen

Ab jetzt musst Du in Deinem Gewächshaus mehrmals täglich das Klima kontrollieren. Zur Kontrolle von Temperatur und Luftfeuchtigkeit raten wir Dir zu einem Hygrometer. Genau wie das Küchenpapier zuvor dürfen auch die Quelltöpfe nicht austrocknen. Zum Bewässern solltest Du am besten einen handelsüblichen Wasser-Sprüher verwenden.

Achte darauf, dass die Temperatur tagsüber bei ca. 25 ° C und die Luftfeuchtigkeit bei ungefähr 80 % liegt. Auf diese Weise werden Deine Pflanzen schnell die Köpfe aus der Erde strecken. Spätestens dann ist es an der Zeit für ausreichend Licht zu sorgen.

Hierzu gibt es je nach Ambition und Geldbeutel verschiedene Möglichkeiten: Du kannst die Fensterbank nutzen, Leuchstoffröhren oder Energiesparlampen verwenden oder auf effektive LEDs zurückgreifen. Die "Variante Fensterbank" ist kostenlos - optimales Wachstum in kürzester zeit ist jedoch nur mit Kunstlicht möglich.

Hast Du Dich für ein Leuchtmittel entschieden musst du auf die Lichtzyklen achten. Beleuchtet wird 18 Stunden, in den restlichen 6 Stunden sollte absolute Dunkelheit herrschen, da es sonst zum Zwittern kommen kann. Um das Einhalten der Zeiten zu erleichtern eignen sich Zeitschaltuhren.

Sobald die ersten Wurzeln den Quelltopf durchdrungen haben beginnt für Deine Pflanzen eine neue Lebensphase - die Wachstumsphase.

Wir empfehlen mit unseren Hydroca Hobby LEDs zu arbeiten. Diese sind preiswert, haben eine gute Leistung und verfügen über Schalter, mit denen Du die roten und blauen LEDs separat ansteuern kannst. Dadurch kannst Du die Lampen auch in der Blütephase bei einem Indoor-Projekt verwenden.

Woche 2-3: Beginn der Wachstumsphase - Aus Keimlingen werden Stecklinge

Das Einsetzen der Quelltöpfe in Erde markiert den Beginn der Wachstumsphase. In unserem Beispiel werden wir die Quelltöpfe in Kunststoff-Trinkbecher pflanzen und im Anschluss wieder ins Zimmergewächshaus stellen. Als Leuchtmittel dient eine SAGA 140 W LED.

Du benötigst folgende Utensilien:

  • Erde
  • geeignete Arbeitsunterlage (z.B. eine Schüssel oder ein kleiner Eimer)
  • Pflanzgefäße (Stecklings-Töpfe oder Trinkbecher mit Löchern im Boden)
  • Pikierstab
  • Handschuhe
  • Wurzelstimulator
  • Beleuchtung

Die Vorgehensweise:

  1. Bereite zunächst die Erde auf deiner Arbeitsunterlage vor. Feuchte sie gleichmäßig mit einer Mischung aus Wasser und Wurzelstimulator an. Du möchtest eine feuchte, aber keine nasse Erde erhalten.
  2. Befülle deine Pflanzgefäße mit der Erde.
  3. Forme mit Hilfe des Pikierstabs eine Vertiefung, in die du den kompletten Quelltopf einsetzen kannst.
  4. Setze den Quelltopf ein und bedecke im Anschluss alles mit ein wenig Erde; drücke diese leicht an.
  5. Stelle die Pflanzgefäße zurück ins Gewächshaus unter deine Beleuchtung. Ab jetzt empfehlen wir spätestens die Einhaltung der oben genannten Beleuchtungszyklen - 18 Stunden Licht, 6 Stunden Dunkelheit. Achte darauf, dass es während der Dunkelphase auch wirklich dunkel ist um ein Zwittern zu vermeiden. Anmerkung: manche LEDs wie die SAGA aus unserem Beispiel oder unsere Hydroca LEDs verfügen über separate Schalter für die unterschiedlichen Wellenlängen des Lichts; in der Wachstumsphase benötigen wir blaues Licht und schalten dieses einzeln ein.

Kunststoff-Trinkbecher sind eine sehr kostengünstige Lösung. Zu beachten ist, dass sich in Deinen Bechern keine Staunässe bilden darf. Wenn Dir das zu heikel ist, dann füge den Bechern Löcher hinzu, damit überschüssiges Wasser abfließen kann, oder bestelle Dir einfach ein paar kleine Töpfe. Wir bieten zu genau diesem Zweck die 1,65 L-Töpfe an.

Kontrolliere weiterhin das Klima sowie die Feuchtigkeit der Erde mindestens einmal täglich und bewässere deine Pflanzen, falls es notwendig sein sollte. Die Erde sollte immer schon feucht gehalten werden, aber nach wie vor nicht nass sein.

Nach ca. einer Woche ist das Pflanzgefäß durchwurzelt und Deine Pflänzchen sind schon etwas gewachsen. Wenn es soweit ist kannst Du sie bedenkenlos in die nächstgrößeren Töpfe umsetzen.

Herzlichen Glückwunsch - an dieser Stelle hast Du die Anzuchtphase erfolgreich abgeschlossen :)

Ziehst du Deine Pflanzen in einem Indoor-System auf dann ist es nun an der Zeit, sie in Deine Growbox zu stellen. Möchtest Du sie hingegen in Deinem Garten oder generell draußen heranwachsen lassen, so solltest Du ihnen noch 1 bis 2 Wochen Zeit geben und sie im Anschluss an die frische Luft setzen.

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